Unser Team nutzt vielfältige Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung im In-und Ausland.
SWAT Basis Lehrgang in Florida / USA
©copyrigth by Dick Cramer Sudios
DAVIE, Mai 2005
„Die Menschen schlafen nachts nur deshalb friedlich in ihren Betten, weil harte Männer bereit sind, für sie Gewalt auszuüben“
(George Orwell)
Dieses Motto gilt für alle Sondereinheiten, militärisch wie polizeilich, jedoch war dies vor allem das Motto, unter dem der Basis Lehrgang SWAT in Florida stand.
SWAT – Special Weapons and Tactics, ein Begriff, der nicht nur im Kreise der Sondereinheiten von Polizei und Militär bekannt ist. SWAT, das ist die Bezeichnung einer amerikanischen Polizei Spezialeinheit, deren Bekanntheitsgrad nicht zuletzt auch durch den gleichnamigen Hollywood Actionfilm nochmals zugenommen hat.
Das in diesem Film dargestellte SWAT Team der Los Angeles Police ist eines von vielen SWAT Teams, die sich über die gesamten Vereinigten Staaten verteilen. Nahezu jede Großstadt unterhält ein SWAT Team, um so in besonderen Krisenlagen schnellstmöglich Zugriff auf eine entsprechend ausgebildete Sondereinheit zu haben. Zu solchen Lagen zählen neben Geiselbefreiung und Festnahme von bewaffneten und verbarrikadierten Straftätern auch Riot Control Einsätze bei unfriedlichen und gewalttätigen Demonstrationen. Im Vergleich zu den Fulltime - SWAT Teams der Großstädte wie Los Angeles oder New York, die in 24 stündiger Bereitschaft stehen, ähnlich wie die SEKs der Länderpolizeien in Deutschland, unterhalten kleinere Städte und Bezirke SWAT Teams, die sich aus Polizeibeamten zusammensetzen, die regulären Polizeidienst wahrnehmen und nur im Bedarfsfall alarmiert werden.
Genau an diesem Punkt ist die Schnittstelle zur Feldjägertruppe, der Militärpolizei der Bundeswehr, zu setzen. Feldjäger werden insbesondere im Auslandseinsatz im regulären Schichtdienst zur Wahrnehmung allgemeiner militärpolizeilicher Aufgaben eingesetzt. Jedoch zeigten die Erfahrungen der ersten Jahre des Kosovo Einsatzes, dass sehr schnell, ohne Vorankündigung, Lagen entstehen können, die den Einsatz eines speziell ausgebildeten Teams für Festnahmeoperationen notwendig machen.
Die Notwendigkeit, auf ein solches Team mit entsprechendem Ausbildungsstand im Bedarfsfall zurückgreifen zu können, auf der einen Seite und die Wahrnehmung regulärer Einsätze durch dieses Personal auf der anderen Seite, stellt eine nicht unwesentliche Hürde dar. So gilt es ein solches Team zu formen, auszubilden und auf Stand zu halten und dies parallel zum „normalen“ Dienst. Die Feldjägertruppe bildet seit einigen Jahren selbst durch interne Lehrgänge so genanntes „Zugriffspersonal“ aus, bediente und bedient sich aber auch immer noch des Know – Hows externer Dienststellen, wie beispielsweise durch Weiterbildungen bei Sondereinsatzkräften der Polizei.
Getreu dem Motto, „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“, ist das Interesse auch seitens der Militärpolizei groß, über den Tellerrand zu schauen, um so den Wissensstand rund um die Thematik „Zugriff“ weiter zu erhöhen.
Dies führte im Mai 2005 nach einiger Vorbereitung zur Teilnahme von insgesamt sechs Feldjägern am „Basis Lehrgang SWAT“ bei der Davie Police in Florida / USA. Der Lehrgang, durchgeführt durch den Chefausbilder für SWAT Training der Davie Police, wurde über die Deutsche Firma RTS GmbH vermittelt. Herr Thomsen, einer der Geschäftsführenden Gesellschafter dieser Firma mit Sitz in Hamburg, selbst ehemaliger Angehöriger einer polizeilichen Sondereinheit und darüber hinaus zertifizierter SWAT Ausbilder, konnte über persönliche Kontakte diesen Lehrgang erstmals anbieten.
Neben der Ausbildung eigener SWAT Kräfte werden an der Ausbildungseinrichtung der US Polizei in Florida auch Lehrgänge für internationale Sondereinsatzkräfte aus polizeilichen und militärischen Einheiten angeboten und regelmäßig auch von deutschen Sondereinheiten frequentiert. Als Vertreter der Feldjägertruppe konnten und wollten wir nicht fehlen und reihten uns somit in diese Kette ein.
An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass die Teilnahme nicht auf einer Entsendung zum Lehrgang durch den Dienstherrn beruhte, sondern eine Privatinitiative war, die also auch entsprechend aus eigener Kasse finanziert werden musste, im Gegensatz zu den Polizeieinheiten, die mit uns gemeinsam diesen Lehrgang besuchten.
Die Teilnehmerzahl war auf zwölf Personen begrenzt, neben der Feldjägertruppe waren außerdem Polizeibeamte verschiedener Landespolizeien Deutschlands vertreten. Der Lehrgang dauerte insgesamt sechs Tage. Da sowohl der Block „Rechtsausbildung“, als auch der Block „Sportausbildung“ entfiel, konnte der Lehrgang entsprechend gekürzt werden. Der wesentliche Ausbildungsteil war somit „Taktik“ und „Schießausbildung“.
Der gesamte Lehrgang wurde in englischer Sprache durchgeführt, wobei zu jeder Zeit sprachliche Schwierigkeiten durch den mit beim Lehrgang anwesenden Herrn Thomsen beseitigt werden konnten. Grundsätzlich jedoch sind umgangssprachliche Englischkenntnisse Grundvoraussetzung zur Teilnahme.
Der verantwortliche SWAT Ausbilder stellte vor Lehrgangsbeginn die Ausbildungsthemen und Möglichkeiten vor, und baute dann die Inhalte gemäß des Ausbildungsstandes der Lerngruppe, der im wesentlichen identisch war, auf, bzw. passte die Inhalte unseren Anforderungen und Wünschen an.
Insgesamt gliederte sich der Lehrgang wie folgt:
- Theorie „SWAT Tactics“
Unterrichtung in taktisches Vorgehen, Schwerpunkt hierbei das Eindringen in ein Objekt zur Durchführung einer Festnahme eines bewaffneten und gewaltbereiten Straftäters. Der Unterricht wurde im Lehrsaal des Police Department durchgeführt.
- Teamfinding
Dies beinhaltete eine praktische Ausbildung in einem nahe gelegenen Klettergarten. Der dort aufgebaute Hindernisparcours (Kletterwand, Seilsteg, usw.) konnte z.T. nur im Team bewältigt werden. Dadurch entstand binnen kürzester Zeit eine Gruppendynamik, die schnell einen engen Zusammenhalt innerhalb der Ausbildungsgruppe formte. Dies ist, wie allen Beteiligten schnell klar wurde, ein wesentlicher Punkt, um mit einer Sondereinheit im Einsatz erfolgreich sein zu können. Auf die Feldjägertruppe ist dies besonders effektiv auf einen Auslandseinsatz zu übertragen. Oftmals kennen sich die Feldjäger nicht oder nur wenig und müssen ab Einsatzbeginn als Team „funktionieren“.
- Praxis „Zugriff“
In verschiedenen Objekten, z.T. gemeinsam mit dem originären SWAT Team, wurde das Eindringen und Vorgehen in Gebäuden geübt, und verschiedene Taktiken mit deren Vor – und Nachteilen gezeigt. Ebenso wurde der Zugriff auf Täter in einem Fahrzeug trainiert.
- Schießausbildung
Schwerpunkt hierbei war zum einen die taktische Schießausbildung mit der Dienstpistole bzw. Möglichkeiten der Schießausbildung wurden aufgezeigt, die weit ab der „normalen“ Schießausbildung mit der Pistole zu sehen sind und in der Feldjägertruppe bisher nur in der Personenschutzausbildung in dieser Art Anwendung finden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schießausbildung war der Einsatz der Schrotflinte als Werkzeug zum Öffnen von Türen, bzw. zum Verbringen Nicht – letaler Wirkmittel.
Das Schießen mit automatischen Waffen, hier mit dem M4, fand ebenso Berücksichtigung wie eine Vorführung verschiedener Irritationsmittel.
Aufgrund der anfangs angesprochenen Problematik, die sich jedem Team stellt, das nicht ausschließlich für solche Aufgaben vorgesehen ist, vor allem hinsichtlich des gemeinsamen Trainings, hat dieser Lehrgang gezeigt, dass es Taktiken gibt, die man im Team mit normalem Trainingsaufwand effektiv umsetzen kann. Die SWAT Taktiken unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von den bisher angewendeten Taktiken innerhalb der Feldjägertruppe, die Möglichkeiten, ein Objekt zu nehmen, sind sehr ähnlich und eingeschränkt in der Anzahl. Die jedoch aufgezeigten Unterschiede regten in einigen Bereichen dennoch mindestens zum Umdenken an. Einzig der Einsatz Nicht – letaler Wirkmittel wie CS oder Pfeffer (OC) im Rahmen von Zugriffsoperationen ist als interessanter Aspekt gänzlich neu gewesen, und ist durchaus auch mit den der Truppe zur Verfügung stehenden Mitteln als praktikabel zu bewerten. Hierbei haben wir auch am eigenen Körper, schmerzvoll, die Wirkung von OC kennengelernt. Eine Erfahrung die keiner von uns missen möchte!
Insgesamt bewertet ist der Basis Lehrgang SWAT ein sehr guter, informativer und fordernder Lehrgang (nicht zuletzt wegen der zum Zeitpunkt herrschenden Temperaturen von 35 – 40°C). Der verantwortliche SWAT Ausbilder versteht es, sein sehr umfangreiches und komplexes Wissen, das auf jahrelange praktische Erfahrung aufbaut (militärisch als auch polizeilich geprägt), in einer Art und Weise an den Mann zu bringen, die seines Gleichen sucht. Trotz der sprachlichen Barriere und zum Teil sehr langer Ausbildungstage schaffte er, jeden Einzelnen auch in der letzten Stunde des Tages noch zu begeistern.
Für Enthusiasten und Fortbildungssuchende eine interessante Alternative zu den Fortbildungsmöglichkeiten in Deutschland.
Und wer kann schon behaupten, während eines Lehrganges als Unterkunft ein Zimmer zu haben, das 10 Meter weg vom Postkartenstrand ist?
Vielen Dank an das Organisatoren- und Trainerteam!
"SO" und "SCD"
